BERICHT VOM DECA 2006 IN VIDAUBAN


Start: der Deka in Vidauban startet um die angenehme Zeit von 9:00 morgens.
So können wir bei unserer Gastgeberin schön ausschlafen und auch noch frühstücken, bevor´s zum Schwimmbad geht.
Da beginnt das übliche Getümmel, wer, wo, auf welcher Bahn und mit wem.
Wir wissen praktisch gar nix, da Martin so kurzfristig eingeladen wurde, einen frei gewordenen Startplatz zu übernehmen dass wir bei der Wettkampfbesprechung nicht dabei sein konnten.
Dann ist die Ordnung hergestellt, alle sind auf ihren Bahnen und los geht's! Hinein ins Vergnügen!
Leider gibt´s für die Teams und BetreuerInnen keinen Schatten am Schwimmbad, die Hitze ist groß und wir beneiden ein wenig die Männer und Frauen im Wasser.
Das Wasser: ist super, nicht zu warm und nicht zu kalt, außerdem dank Umwälzanlage bis zum Schluss sauber und dabei nicht überchlort (so ganz anders als in Mexiko).
Gezählt wird per Hand, die ZählerInnen wechseln sich häufig ab, zwecks Aufrechterhaltung der Konzentration und das klappt prima.
Alle schwimmen problemlos, Pascal lässt sich die Ärmel vom Schwimmanzug schneiden, weil´s ein bisschen warm ist.
Nicht gut organisiert ist hier die Verpflegung. Das macht sich von Anfang an bemerkbar, zur Küche muss man das Schwimmbad verlassen und von außen halb umrunden. Kuchen gibt´s zu wenig, der ist sofort weg, kaum dass man irgendwo ein Stück gesehen hat.(Ich kaufe welchen, da ist ne super Boulangerie ca. 50 m vom Bad entfernt). Ansonsten ist das Essen hier ja eh noch relativ uninteressant.
Der Erste der nach 11 Stunden und 22 Minuten das Wasser verlässt ist Pascal Pich, es folgen:
Fabrice Lucas 10 Minuten später,
Harald Oswald nach12 Stunden und 16 Minuten,
und Kim Greisen nach 12 Stunden 34 Minuten.
2 weitere Stunden später, nach insgesamt 14 Stunden und 32 Minuten verläts als 5. Schwimmer Martin das Wasser. Zum Wechseln gibt´s kleine Kabinen im Bad, wo auch die Räder stehen und von wo aus Martin dann guten Mutes auf die Radstrecke startet. Ich fahre mit dem Auto hinterher, geleitet wird er von einem Motorrad-Polizisten. Erster großer FauxPas: Der Polizist führt Martin auf eine falsche Strecke! Dadurch fährt Martin nicht über die Matte und verliert die erste Runde. Wir merken uns das natürlich und informieren auch sofort den Race-Marshall (Iro Hermann) und die Runde kann noch vermerkt werden.
Ab sofort wird´s ganz schön anstrengend. Das angekündigte Team erscheint auch nach mehrfachem Nachfragen nicht. Die Küche, also zu Essen gibt´s noch nichts, auch kein Wasser! Kein Stuhl ist da, nur ein leeres Zelt ohne Licht.

Die Organisation hatte wohl nicht vorgesehen, dass die AthletInnen so schnell schwimmen? Zum Glück sind da die Dänen vom Team Kim Greisen, sehr solidarisch, spenden Wasser (die sind viele und haben einen zum Bad zurückgeschickt, welches holen), Kaffee und einen Stuhl. Auch sonst möchte ich hier schon sagen, dass sie nie tatenlos zugeschaut haben wenn offensichtlich Hilfe gebraucht wurde.
Erst am Morgen so ca. 9:00 gibt´s endlich was in der Küche, also ca. 9 Stunden nachdem Martin sich auf´s Rad geschwungen hat.
Das ist definitiv zu spät und leider lässt die Küche auch in den folgenden Tagen und bis zum Schluss sehr zu wünschen übrig, hier ist ganz klar Mexiko ein großes Vorbild.
Es gibt von allem zu wenig und alles ist sofort weg. Streit in der Küche um die Rationierung von Cola und da es eh immer wieder nur Nudelpamp und Hühnerschenkel gibt erwäge ich einkaufen zu gehen.
Das aber würde bedeuten, Martin alleine zu lassen. Außerdem liegt die Radstrecke ziemlich abseits, ich müsste das Auto nehmen.
Nebenbei gibt´s die ersten Proteste wegen Nichtübereinstimmung von gezählten Runden und Tachoständen. Die Radstrecke selber sollte eigentlich beleuchtet sein, das ist sie nicht!
Es ist eine sehr schlechte Strecke, schmal, teilweise nur in der Mitte auf ca. 50 cm zu befahren, von grobem Untergrund und tagsüber weich vor Hitze. Die AthletInnen, die ja auch bereits müde und angestrengt sind tun ihr bestes. Harald Oswald erleidet einen Sturz, bei dem sein Triathlon-Lenkeraufsatz zerbricht und er sich leicht verletzt.

Am 3. Tag stellt sich mir eine kleine schmale Frau vor, Aline. Sie will helfen.
Ich küsse sie fast, was sich in Frankreich als selbstverständlich herrausstellt. Und ihre Hilfe ist mehr als Gold wert.
Die Verständigung funktioniert fast von allein, ohne dass wir eine gemeinsame Sprache hätten. Und sie hat noch Freundinnen (der Chor von Vidauban). So kommen es im Laufe zweier Tage dann zu einem Top-Team:

Aline und Jean Pierre;
Paulette;
Magali und Frederik;
Mattieu (10) und Marie (13) (Magalis und Frederiks Kinder);

Tagsüber ist nun immer jemand da, d. h. ich kann jetzt auch mal duschen und der Stress ist (für mich) raus!
Die Team-Frauen checken schnell, wie es um die Wettkampfküche bestellt ist und ab sofort gibt es 3 Sterne Essen.

Die Männer erledigen technisches, entfernenn Stolperstrünke im Zelt und bringen täglich frisches Eis für die Kühlboxen.
Wieviel Martin davon noch mitbekommt ist nicht so klar, aber er isst alles und tut das seine: Fährt und fährt, stetig und gleichmäßig, Runde um Runde. Noch dazu versprüht er gute Laune und Optimismus.
Dann reißt der Schaltungszug!
Der Mechaniker, der laut Veranstalter immer vor Ort sei, ist leider nicht da.
Zum Glück hilft diesmal das Team Alan Dupuis und fährt mich samt Rad zu einem Mechanikerladen in der übernächsten Stadt. Hier wird sofort gehandelt und nach 15 Min. verlassen wir den Laden wieder mit dem reparierten Rad.
Die Panne kostet insgesamt exakt 1,5 Stunden während derer Martin Zwangspause hatte.
Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits einen ganzen Tag lang keine Informationen über den Stand der Runden. Auch ansonsten spinnt das System total, zeigt tagelang dasselbe Datum und fällt offensichtlich manchmal auch ganz aus.
Leider ist dieser wichtige Punkt vernachlässigt worden und jeder schiebt hier die Schuld auf den anderen: die Organisation auf den Betreiber des Systems und umgekehrt. Wir bekommen die verschiedensten Erklärungen und zwar bis zum Ende des Wettkampfes:
Man habe keine Druckerpatronen; Es gäbe Stromausfälle; Außerdem habe sich das System versehentlich selbst resetet ...
Dennoch wird immer wieder versichert jede Runde werde gezählt, auch wenn sie auf der nächsten Liste nicht zu sehen sei oder es grad mal wieder keine Listen gebe.
Tagsüber ist es sehr heiß, ca. 40 °, nachts hingegen wird's ziemlich kalt und alle sind eingemummelt. Die RadlerInnen frieren natürlich nicht ganz so doll, dafür schwitzen sie am Tag um so mehr und Martin braucht jede zweite Runde ein nasses Küchentuch unter den Helm.
So ca. alle 15 Minuten wieder dieselben Gesichter, bartstoppelig und teilweise weiß vom Sunblocker wie Kim Greisen aus Dänemark (ein wirklich auffälliges Bild).
Einen Platten gibt´s bei Martin auch noch aber der ist schnell behoben während Martin mit Ersatzlaufrad bis zum Ende fährt.
Als erstes verlässt Kim Greisen die Radstrecke, einige Stunden später Fabrice Lucas, dann Christophe Llamas und kurz danach Martin.
Genaue Zeitangaben sind hier etwas schwierig, da es am 26. 06. eine sogenannte "endgültige Ergebnisliste vom Radfahren" gibt, am Schluss des Wettkampfes eine weitere und die beiden unterscheiden sich erheblich!
Wieder geht´s mit vollbeladenem Auto dem Rad hinterher, während die Schwimmeisterin Fabienne Martin den Weg zur Laufstrecke weist. Noch 2 Runden im Stadion und runter vom Rad. Es folgt eine Dusche und den Umständen entsprechend ausgiebige Körperflege.
Martin sieht noch klasse aus und bewegt sich locker, die Füße sind top in Ordnung.
Das Zelt wurde in der Zwischenzeit vom Militär ab- und an der Laufstrecke wieder auf gebaut. Die Liegen sind furchtbar und unbrauchbar, wer sich die wohl ausgedacht hat!
Zum Glück gibt´s ein paar Luftmatratzen. Und so manch einer liegt lieber auf einem selbstgebauten Altkleider-Karton Lager.
Jetzt geht es für Martin ab auf die Laufstrecke: Immer einmal ums Stadion, dann ca. 150 m den leicht ansteigenden Weg rauf, um die Kurve, dabei über die Matte und wieder zurück. 536 mal.
Ab hier werden noch 3 - 5 mal täglich Listen ausgehängt, die manchmal voneinander abweichen.
Die Athleten meckern, wissen nicht wie viel sie schon bzw. noch zu laufen haben, wer wie weit vor oder hinter ihnen ist ...
Gerüchte über Abkürzungen haben leichtes Spiel weil es nur auf der einen Seite der Runde eine Matte gibt und nachts auch immer wieder kein Race-Marshall auffindbar ist. Rein theoretisch kann hier zu bestimmten Zeiten jede_r AthletIn ca. 300 m pro Runde sparen, mit dem Risiko, von anderen AthletInnen oder BetreuerInnen gesehen zu werden.
Eine verfehlte Sparmaßnahme!
Christoph Llamas (Veranstalter und Teilnehmer) lässt sich gegen seine eigenen Regeln auf dem Teil der Laufstrecke begleiten, auf dem das ausdrücklich verboten ist. Dort geht es etwas bergauf und er lässt sich schieben!
In der 7. Nacht des Deca schreiben, im Schutz der Dunkelheit, C. Llamas` Betreuer einen Protest auf die Rundenliste. Sie wollen 25 Runden mehr!
Dem Protest wird stattgegeben, obwohl uns die ganze Zeit versichert wurde, dass "jede Runde gezählt wird". In dieser Nacht läuft C. Llamas so gut wie gar nicht.
Am nächsten Tag wird nach verschiedenen Protesten das Rennen für ca. 2 Stunden ausgesetzt, danach hängt eine neue Liste da! Von dieser Korrektur profitiert wieder C. Llamas!

Am darauf folgenden Tag beginnt Martin um die Mittagszeit mit einer Aufholjagd. Es sei eindeutig zu schaffen und eine wilde Rechnerei beginnt. Martin läuft ca. doppelt so schnell wie Cristoph.
Das Team von C. L. telefoniert hektisch und ununterbrochen.
Unglaublich, wie Martin rennen kann, am 9. Tag des Deca! Nach 45 Minuten atimmt die offizielle Liste nicht mehr mit der vom Team gezählten überein: Die Differenz zu C. L. hat sich nicht verringert!
Wie kann das sein? Jetzt wird endgültig klar, dass Christoph hier eine Platzierung machen muss.
Martin beschließt, die Jagd aufzugeben und offiziell Protest einzulegen.
Die fehlenden Runden werden im Laufe der nächsten Stunden nach und nach wieder eingefügt damit später alles korrekt aussieht.
Nach dem verdienten ersten Platz für Fabrice Lucas (Endzeit: 202 Std. 40 Min. 29 Sek.) und dem ebenfalls ehrenwerten zweiten Platz für Kim Greisen (Endzeit: 206 St. 13 Min. 35 Sek.) geht hier in Frankreich der dritte Platz an den Wettkampfveranstalter selber. Auch in der Dokumentation der "endgültigen" Laufzeiten gibt es 2 verschiedene Listen, die sich zum Teil erheblich voneinander unterscheiden. Damit erscheint auch das Gesamtergebnis nicht wirklich sicher.
Martins Endzeit für den Decatriathlon beträgt: 9 Tage, 9 Stunden, 7 Minuten und 32 Sekunden.

Nach C. Llamas Zieleinlauf erkühlt auch das Interesse am Wettkampf bei der gesamten Organisation stark: Der erste Race Marshall ist bereits während des Rennens abgereist, der zweite folgt bald und fliegt noch vor Ende des Rennens nach Nizza zum Ironman.
Bei den nächtlichen Zieleinläufen der etwas späteren AthletInnen ist niemand von der Organisation anwesend.
Das Drama mit dem Zählsystem zieht sich bis zum Ende durch, der "Zählmeister" schläft jetzt auch immer wieder.
Selbst die letzten 2 Athleten wissen nicht genau, wie viele Runden sie haben und wer von ihnen grade vorne liegt. Sie liefern sich ein erbittertes Rennen bis in die letzte 14. Nacht hinein.
Dann ist der Deca zu Ende.

Schlafzeiten Martin in 9 Tagen + 8 Nächten:
2. Nacht: 2.5 Std.
3. - 7. Nacht:3.0 Std./Nacht
8. Nacht:3.5 Std.
1. Tag:0 Std.
2. - 9. Tag:ca. 1 Std./Tag
Gesamt: 32 Stunden

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